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Diskriminierungssensibles Schreiben in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Migrations- und Diskriminierungssensibilität drückt sich nicht zuletzt auch in einer diskriminierungsarmen Sprache aus. Das aus gutem Grund: Sprache beeinflusst unsere Wahrnehmung und damit auch unsere gesellschaftliche Realität, sie ist Grundlage unseres menschlichen Miteinanders. Gleichzeitig zeigt Sprache Machtverhältnisse auf: Wer spricht über wen? Über wen wird nicht gesprochen? Wer hat gar keine Stimme? Mit welchen Bezeichnungen werden Menschen oder Gruppen belegt? Und: Sprache ist niemals neutral. So verschleiert beispielsweise das vermeintlich objektive Wort von der „Entdeckung Amerikas“, dass eine brutale und unzählige Menschenleben kostende Kolonialisierung stattfand. Noch deutlicher wird das Problem beim Begriff „Reichskristallnacht“: Obwohl weit verbreitet handelt es sich doch um die beschönigende Bezeichnung der Reichspogromnacht, welche den Auftakt der systematischen Judenvernichtung bildete.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie zentral ein bewusster Gebrauch von Sprache, insbesondere in unserer heutigen pluralen Gesellschaft, ist. Und das gilt eben auch für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Zum einen, weil diese auf gesellschaftliche Diskurse Einfluss nimmt, zum anderen, weil sie niemanden unbeabsichtigt verletzten sollte. Doch wie gelingt ein migrations- und diskriminierungssensibler Sprachgebrauch? Hier hilft es, sich folgende Empfehlungen bewusst zu machen:

  1. Bei migrations- und diskriminierungssensiblem Sprachgebrauch geht es nicht um Verbote, sondern vielmehr um einen angemessenen sprachlichen Ausdruck gesellschaftlicher Realität. Gerade in den oft hoch emotionalen Debatten um Migrations- und Integrationsthemen sollten Benennungen, so sie denn nötig sind, so präzise, angemessen, wert- und klischeefrei wie möglich sein und Vorurteile nicht noch unnötig bedienen.
  2. Bewusste Entscheidungen für oder gegen eine Formulierung sind allerdings nur möglich, wenn man um die Assoziationen, Ursprünge und Wirkungen bestimmter Bezeichnungen weiß.
  3. Migrations- und Diskriminierungssensibilität im Bereich Sprache ist auch ein Zeichen von Respekt. Zu jenem Respekt gehört, jeder und jedem selbst zuzugestehen, wann eine Bezeichnung als diskriminierend empfunden wird. Im Zweifelsfall können Betroffenenvertreter/-innen gefragt werden.

Werkzeuge für einen diskriminierungssensiblen Sprachgebrauch

Zahlreiche Werkzeuge und Empfehlungen helfen dabei, sich migrations- und diskriminierungssensibel auszudrücken – indem sie etwa die Problematik einzelner Begriffe erklären, alternative Benennungsmöglichkeiten aufzeigen und für das Thema generell sensibilisieren. Diese Instrumente finden sich für ganz unterschiedliche marginalisierte Gruppen. In der Folge sind einige davon aufgeführt:

Instrumente für einen migrationssensiblen Sprachgebrauch

Amnesty International: Glossar für diskriminierungssensible Sprache 

AntiDiskriminierungsBüro Köln: Leitfaden für einen rassismuskritischen Sprachgebrauch - Handreichung für Journalist_innen

Arbeitskreis Kommunaler Qualitätszirkel zur Integration: Handreichung Begriffe Einwanderungs- und Integrationspolitik

Autor*innenKollektiv Rassismuskritischer Leitfaden: Rassismuskritischer Leitfaden zur Reflexion bestehender und Erstellung neuer didaktischer Lehr- und Lernmaterialien für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit zu Schwarzsein, Afrika und afrikanischer Diaspora

Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER): Von Trommlern und Helfern: Checklisten zur Vermeidung von Rassismen in der entwicklungspolitischen Öffentlichkeitsarbeit

glokal e.V.: Mit kolonialen Grüßen … Berichte und Erzählungen von Auslandsaufenthalten rassismuskritisch betrachtet

heldenwetter.de: Wie „wir“ über „die“ schreiben: Gedanken zur Sprache in Reiseberichten

Neue deutsche Medienmacher e.V.: Glossar der Neuen deutschen Medienmacher. Formulierungshilfen für die Berichterstattung im Einwanderungsland

Instrumente für einen diskriminierungssensiblen Sprachgebrauch im Bereich Menschen mit Behinderung

Sozialhelden e.V.: Leidmedien – über Menschen mit Behinderung berichten

Universität Salzburg: Das Buch der Begriffe

Instrumente für einen diskriminierungssensiblen Sprachgebrauch im Bereich LSBTIQ*

Bund Lesbischer & Schwuler JournalistInnen: Schöner schreiben über Lesben und Schwule

TransInterQueer e.V.: Trans* inter* queer-ABC und Trans* inter* queer-ABC "Inter & Sprache — Von »Angeboren« bis »Zwitter«"

Transgender Network Switzerland: Medienguide

Die Frage des Genderns

Zum Bereich diskriminierungssensiblen Sprachgebrauchs gehört auch die Frage des Genderns. Damit ist eine inklusive Sprache gemeint, die sowohl die männliche als auch die weibliche Schreibweise berücksichtigt. Hier gibt es verschiedene Formen:

  • *, z.B. Polizist*in: Mit dem Sternchen soll bewusst Raum gelassen werden für alle möglichen Geschlechtsidentitäten.
  • /, z.B. Lehrer/in oder Lehrer/-in
  • _, z.B. Professor_in
  • I, z.B. ArbeiterIn
  • Ausschreiben von männlicher und weiblicher Form, z.B. Schüler und Schülerin
  • Neutrale Formulierungen, z.B. Studierende, Menschen oder Personen statt Männer und Frauen, Lesende statt Leserinnen und Leser

Ob und in welcher Form in der eigenen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gegendert wird, ist eine Frage, die grundsätzlich geklärt und dann konsequent angewendet werden sollte. Hier helfen einige nützliche Link- und Literaturtipps:

Agentur für Gleichstellung im Europäischen Soziafonds: Leitfaden zum geschlechtergerechten Formulieren im Bereich Arbeitsmarktpolitik

Freie Universität Berlin: Geschlechtersensible Sprache

IG Metall: Tipps für die Gendersprache in der Öffentlichkeitsarbeit

Johanna Müller: Geschickt gendern

Journalistinnenbund: Genderleicht. Portal für gendersensible Kommunikation in Wort und Bild

LMU München: Leitfaden gendergerechte Sprache

Universität Köln: ÜberzeuGENDERe Sprache. Leitfaden für eine geschlechtersensible und inklusive Sprache

Universität Potsdam: Leitfaden zur Anwendung einer gendergerechten Sprache

Hinweis auf Arbeitshilfe

Weitere Informationen, Empfehlungen und gelungene Beispiele aus der Praxis finden sich in der Publikation „Diskriminierungssensible Sprache in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Arbeitshilfe für den Bereich Wort“.

Weiterführende Link- und Literaturtipps

Adibeli Nduka Agwu / Antje Lann Hornscheidt (Hrsg.): „Rassismus auf gut Deutsch. Ein kritisches Nachschlagewerk zu rassistischen Sprachhandlungen (Transdisziplinäre Genderstudien 1)“, Brandes & Apsel, Frankfurt a. M. 2010

Sozialhelden e.V.: Ramp Up – Barrierefreie Veranstaltungen planen, Veranstaltungskommunikation


Stefanowitsch, Anatol: „Eine Frage der Moral. Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“, Berlin 2018